650 Hektar dolomitischer Kalkstein, der in das Tyrrhenische Meer abfällt, und sieben Kilometer Küstenlinie, die völlig asphaltfrei blieb.
Genau diese Abwesenheit macht den Reiz aus. Eine zingaro boat tour existiert, weil die Küste nicht mit dem Auto befahrbar ist. Die Klippen des Reservats ragen bis zum 913 Meter hohen Monte Speziale empor, und dazwischen öffnet sich das Gestein zu einer Reihe von Buchten — Cala Capreria, Cala del Varo, Cala della Disa, Cala Berretta, Cala Marinella, Cala dell'Uzzo, Cala Tonnarella dell'Uzzo. Jede Bucht besteht aus Kies statt aus Sand, jede ist mit Posidonia oceanica-Wiesen bedeckt, was dem Wasser sein charakteristisches, gefiltertes Blau verleiht. Der Meeresboden hier wird überwacht, nicht künstlich gestaltet.
Die menschliche Besiedlung reicht tiefer als das Dekret von 1981. In der Grotta dell'Uzzo hinter den nördlichen Buchten fand man mesolithische Gräber und Belege für eine der frühesten Formen der Landwirtschaft in Sizilien, die etwa 9.000 Jahre alt sind. Weiter südlich war die Tonnara di Scopello, eine Thunfischverarbeitungsanlage mit mittelalterlichem Fundament, bis 1984 in Betrieb; ihre Faraglioni-Felsen bleiben die meistfotografierte Silhouette am Golf. Schiffe, die die zingaro and scopello boat tour befahren, passieren beide an einem einzigen Nachmittag.
Was das Reservat heute schützt, ist teilweise botanischer Natur — Zwergpalmen, wilde Olivenbäume, ein Dutzend Orchideenarten — und teilweise für Vögel von Bedeutung. Habichtsadler nisten in den landeinwärts gelegenen Felswänden. Wanderfalken jagen an den Klippenwänden. Das Reservat verzeichnet mehr als vierzig brütende Vogelarten entlang seiner fünf markierten Wanderwege sowie Museen für bäuerliches Leben, Seekultur und Marineaktivitäten, die alle in restaurierten Steingebäuden entlang des Küstenweges untergebracht sind.
Der maritime Ansatz ist zur zweiten Sprache des Reservats geworden. Ein zingaro boat trip offenbart die Meereshöhlen und vertikalen Schichten, die der Wanderweg oberhalb nicht zeigen kann. Betreiber, die die riserva dello zingaro boat tour anbieten, legen hauptsächlich vom Hafen in Castellammare del Golfo ab, fünfzehn Kilometer östlich, wo die arabisch-normannische Burg noch immer den Hafen bewacht. Der Landzugang hingegen wird über zwei Tore geregelt: Scopello im Süden und San Vito Lo Capo im Norden. Beide erheben eine Naturschutzgebühr von 5 EUR pro Person, die die Verwaltung und Instandsetzung der Wege finanziert. Dazwischen liegt eine Küstenlinie, die fünfundvierzig Jahre nach dem Marsch genauso unbebaut geblieben ist, wie es ihre Verteidiger beabsichtigt hatten.